News vom 04.12.2009

EU-Lebensmittelkennzeichnung wohl ohne Ampel

Die Europäische Union steuert auf eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung von verpackten Lebensmitteln zu, verzichtet aber auf die Ampelfarben. Das zeichnet sich nach den Beratungen in verschiedenen Ausschüssen des Europaparlaments ab.

In dem diese Woche im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments erörterten Bericht der federführenden deutschen CDU-Abgeordneten Renate Sommer spielt die Ampel erwartungsgemäss keine Rolle.

Doch auch in einer Verlautbarung der profilierten SPD-Parlamentarierin Dagmar Roth-Behrendt ist von der Farbmarkierung grün, gelb, rot keine Rede mehr. Stattdessen stellte sich die Berlinerin hinter den Kommissionsvorschlag, der verpflichtende Angaben zu Energiewert, Fett, gesättigten Fettsäuren und zu Kohlenhydraten mit besonderem Hinweis auf Zucker und Salz vorsieht.

Roth-Behrendt fordert darüber hinaus, dass auch Ballaststoffe verpflichtend gekennzeichnet werden müssen. An der Ampelkennzeichnung halten im Umweltausschuss allerdings noch Abgeordnete aus den Niederlanden und Grossbritannien fest, während dieses Farbmodell in Südeuropa kaum Anhänger findet.

Wohin die Reise geht, werden die Änderungsanträge zum Entwurf der Kommissionsverordnung zeigen, die spätestens diese Woche vorliegen müssen. Diese sollen dann Ende Januar 2010 diskutiert werden, bevor im März die Abstimmung im Ausschuss und im Mai das Votum im Plenum des Europaparlaments erwartet wird. Ausnahmen bei der Nährwertkennzeichnung sieht die Kommission für Wein, Bier und Schnaps vor.

Mit ihrem Bericht hat die CDU-Abgeordnete Sommer einige wichtige Veränderungen an dem Kommissionsvorschlag gemacht. Zu den verpflichtenden Angaben soll nach ihrem Dafürhalten auch der Eiweissgehalt gehören. Statt Salz soll es heissen «Natrium aus Salz», weil Salz nicht die einzige Natriumquelle sei. Diese Angaben sollen auf der Rückseite der Verpackung stehen, während die Kommission diese Informationen auf der Schauseite der Produkte haben will.

Strengere Vorschriften als bisher befürwortet Sommer für sogenannte Lebensmittelimitate und begründet dies mit dem Willen zu mehr Transparenz. Es sei festzustellen, dass normalerweise zur Herstellung eines Produktes verwendete Inhaltsstoffe teilweise durch preiswertere Stoffe ersetzt würden, beispielsweise Milch durch Pflanzenfett in Speiseeis. Für den Konsumenten sei dies in der Regel nicht zu erkennen, betonte die Agrarwissenschafterin aus Nordrhein-Westfalen und will einen Hinweis auf die Imitate daher künftig auf der Vorderseite der Verpackung angebracht sehen.

Mit der Kennzeichnung von Nanotechnik in Lebensmitteln greift Sommer ein weiteres aktuelles Thema auf. Enthält ein Produkt Nanomaterial, muss dieses laut Sommers Vorschlag im Zutatenverzeichnis eindeutig mit dem Zusatz «Nano» aufgeführt werden. age



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